Social Media: Keine Schuld an schlechten Noten

Sind Jugendliche, die Snapchat, Facebook, Instagram und andere Social-Media-Seiten besuchen, akademisch schlechter dran? Wissenschaftler aus Würzburg und Bamberg haben sich mit diesen Befürchtungen auseinandergesetzt.

Kommunikationspsychologen haben untersucht, wie die Nutzung von Social Media mit der schulischen Leistung korreliert.

„Die Sorge um die angeblich katastrophalen Folgen von Social-Networking-Sites auf die schulischen Leistungen ist unbegründet“, sagt Professor Markus Appel, Psychologe und Inhaber des Lehrstuhls für Medienkommunikation an der Julius-Maximilians-Universität Würzburg (JMU) in Bayern.

Markus Appel, die Doktorandin Caroline Marker (JMU) und Timo Gnambs von der Universität Bamberg haben untersucht, wie die Social-Media-Nutzung von Jugendlichen mit ihren Schulnoten korreliert. „Es gibt mehrere widersprüchliche Einzelstudien zu diesem Thema, was es bisher schwierig gemacht hat, alle Ergebnisse richtig zu bewerten“, sagt Marker. Einige Studien berichten von negativen Auswirkungen von Snapchat & Co., andere beschreiben einen positiven Einfluss und wieder andere finden überhaupt keinen Zusammenhang.

Um dies zu klären, führten die Forscher so genannte Meta-Analysen durch:

Aus einschlägigen Datenbanken mit wissenschaftlichen Publikationen identifizierten sie 59 Studien, die sich mit dem Zusammenhang zwischen Social-Media-Nutzung und akademischer Leistung beschäftigten. Anschließend analysierten sie die Ergebnisse dieser Studien, die weltweit fast 30.000 junge Menschen umfassten.

Vier Ergebnisse der Meta-Analysen:
Das erste Ergebnis: Schülerinnen und Schüler, die Social Media intensiv nutzen, um über schulische Themen zu kommunizieren, haben tendenziell etwas bessere Noten. Das hatten die Wissenschaftler erwartet.

Das zweite Ergebnis: Die Schülerinnen und Schüler haben etwas bessere Noten: Schülerinnen und Schüler, die Instagram und Co. während des Studiums oder bei den Hausaufgaben viel nutzen, schneiden tendenziell etwas schlechter ab als andere Schülerinnen und Schüler. Diese Form des Multi-Tasking scheint also eher störend zu sein.

Das dritte Ergebnis: Schülerinnen und Schüler, die sich sehr häufig in soziale Netzwerke einloggen, regelmäßig Nachrichten und Fotos posten und dort viel Zeit verbringen, haben etwas schlechtere Noten. Dieser negative Effekt ist jedoch sehr gering.

Das vierte Ergebnis: Schülerinnen und Schüler, die besonders aktiv in sozialen Netzwerken sind, verbringen nicht weniger Zeit mit dem Lernen. Es gibt also keinen wissenschaftlich gesicherten Nachweis dafür, dass Social Media den Schülern wertvolle Zeit für Schularbeiten rauben.

Was es sonst noch aus den Ergebnissen zu lernen gibt
Führt die intensive Nutzung von Social Media zu etwas schlechteren Leistungen in der Schule? Oder verlieren sich schlechtere Schüler eher in Facebook oder anderen Plattformen? „Diese Frage können wir nicht beantworten. Beide Richtungen von Ursache und Wirkung sind möglich, aber sie sind nicht sehr ausgeprägt“, sagt Markus Appel.

Nach heutigem Kenntnisstand scheint die Nutzung von Social Media keinen wesentlichen negativen Einfluss auf die Schulnoten zu haben. „Dennoch sollten Eltern sich dafür interessieren, was ihre Kinder in sozialen Medien machen, die sozialen Netzwerke kennen und bereit sein, die Nutzungsmuster zu verstehen“, so Appel weiter. „Je aufgeschlossener Eltern gegenüber den Online-Aktivitäten ihrer Kinder sind, desto besser können sie mit ihnen kommunizieren.

Studie: Marker, Caroline & Gnambs, Timo & Appel, Markus (2018). Active on Facebook and Failing at School? Meta-Analytic Findings on the Relationship Between Online Social Networking Activities and Academic Achievement. Educational Psychology Review. DOI: 10.1007/s10648-017-9430-6

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